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Klar
mache ich das! War meine Antwort, als mir Thomas sagt, dass er für die
ROUTE_66 Tour noch einen Fahrer für das Begleitfahrzeug suche. Anfang
Mai 2004 sitzen wir dann zusammen im Flugzeug Richtung Chicago. Am
nächsten Tag holen wir zuerst Dietmar vom Flughafen ab, danach Klaus,
Doris, Georg, Jupp und Norbert, unsere Tour-Teilnehmer. Nach einer Nacht
im Irish Pub ... und später auch im Hotel, geht es am Morgen zur
Vermietstation von EAGLE RIDER, wo vier Harley-Davidson Heritage, eine E-Glide und eine
Sporty zu übernehmen sind. Die Harleys sind teilweise nagelneu und es ist
kaum ein Trost für mich, dass mein wunderschöner Dodge Grand Caravan ja
auch fast neu ist. Es folgt eine Probe- und Eingewöhnungsfahrt und am
Nachmittag die Rückfahrt ins Hotel. Schön, dass die Teilnehmer am späten
Nachmittag Chicago zu Fuss erkunden wollen und ich die Gelegenheit
bekomme, die Heritage von Thomas kreuz und quer durch Chicago zu
treiben. Legal OHNE Helm! Am Dienstag geht es dann richtig los. Vom
Hotel sind es nur wenige Schritte, pardon, Fahrminuten zur Adams Street,
dem Startpunkt der ROUTE_66. Die obligatorischen Fotos gemacht und los
geht’s. Nach einer Stunde haben wir die Vororte hinter uns gelassen und
sind auf dem Weg nach Springfield Illinois. Gegen Nachmittag wird der
Himmel grau und es beginnt zu regnen. Ein bisschen drehe die Heizung in
meinem Dodge auf. Wenig später kommen wir im Hotel an, Landregen, aber
beste Stimmung. Zum Tagesabschluss besuchen wir „HOOTERS“ und was soll
man da sagen, dass muss man erleben. Der nächste Tag bringt eine
Mischung von Sonnenschein, wir sind auf dem Weg nach St. Louis. Einige der
Jungs haben sich heute Morgen im Walmart grüne Angleranzüge gekauft und
haben jetzt unser volles Mitgefühl .. unser? Ja, den Doris hat den Platz
gewechselt und sitzt jetzt mit mir im Dodge. Wir fahren über eine
Brücke, unter uns liegt bleiern der Mississipi, über uns bleiern der
Himmel. Erst bei Einbruch der Dunkelheit, wir haben längst unser Hotel
bezogen, heitern die bunten Lichter von St. Louis unsere Stimmung auf.
Wir entschliessen uns zu einem Stadtbummel. Seit dem Nachmittag leuchtet
auch im Dodge ein buntes Licht. Eine der Kontrollleuchten geht nicht
mehr aus . Ich telefoniere mit dem technischen Service des Vermieters.
Es ist vielleicht kein Problem, sagt man mir. Aber Safety first: Also
fahren Thomas und ich noch in der Nacht zum Flughafen und tauschen bei
der Vermietstation dort das Auto. Auch der nächste Tag bringt kein
besseres Wetter, und so sehen wir von Springfield Missouri eigentlich
nur ein grosses Einkaufszentrum. Bei dieser Wetterlage wundert es mich
nicht, als mein Chef abends sagt:“Ab Oklahoma kannst Du ja mal zwei Tage
mit der Heritage fahren. So sans die Scheefs, denke ich und beobachte
mit grosser Genugtuung, wie das Wetter am nächsten Tag besser und
besser wird. Für den Abend hatten die Teilnehmer sich etwas Kulturelles
gewünscht und so besuchen wir den grössten Honkytonk des Staates
Oklahome, der zufällig nur zwei Blocks vom Motel entfernt liegt. Longnecks, Rednecks,
Twosteps - es wird spät. Trotzdem sind am nächsten Morgen alle
rechtzeitig angetreten. Die Sonne über Oklahoma strahlt mit mir um die
Wette. Nach einem kurzen Briefing führe ich die Gruppe an. Erstmal in
die Frühstücksbar gegenüber. Nach einem ausgiebigen All You Can Eat
Breakfast, donnern wir dann durch OK City, bis uns an der Stadtgrenze
die Mother Road aufnimmt. Blauer Himmel, 30er Sonnencreme, bollernde
VTwins, kein Helm. Muss ich mehr sagen? Thomas hatte mir eingeschärft,
immer auf der ROUTE zu bleiben. die Streckenführung hatte ich mir
aufgeschrieben und eingeprägt. So geht es lustig und gemütlich rechts
und links des Interstate Highways, bis eine gesperrte Brücke die
Weiterfahrt verhinderte und wir nach kurzer Pause wieder ein Stück zurück
müssen. Genauso hatten wir es uns vorgestellt. Meine Vorstellung war
aber auch, dass die ROUTE auf Dauer eher eintönig und langweilig ist,
weit gefehlt. Die Landschaft ändert sich so schnell und die ROUTE wird
so oft von interessanten Orten unterbrochen, dass mein erster Tag auf
dem Moped zu Ende ist, bevor es langweilig werden kann. Wir sind in
Amarillo Texas angekommen und statten dem BIG TEXAN STEAKHOUSE einen
Besuch ab - wieder wird es spät. Der nächste Tag bringt uns Cadillac
Ranch, Ölpumpen, Wasserlöcher, Rinder - Texas halt. Vor der
Nachmittagssonne dann das Panorama der Rocky Montains und eine
landschaftlich grandiose Kulisse beim Anflug auf Albuquerque. Nach dem
Einchecken im Motel ist Pflegedienst an den Harleys angesagt, Ölstand
checken, Schrauben nachziehen, einen Vergaser einstellen, einen Lenker
einrichten. Ausserdem Getränke auffüllen im Begleitfahrzeug, Scheiben
reinigen, Müll entsorgen. Ich bin ja nicht (nur) zum Spass hier.
Während die anderen im Pool abhängen, schnappe ich mir Thomas' Harley
und düse auf einen Besuch zu meiner Cousine Gudrun, die schon seit
Jahren in den USA lebt. Wir quatschen bis spät in die Nacht. Die
Rückfahrt quer durch Albuquerque trete ich mit gemischten Gefühlen an.
Vor zwei Tagen wurden zwei Männer auf dieser Strasse bei einem "Drive-by-shooting"
erschossen. Aber alles geht gut. Zurück im Motel bestätigt mir Thomas, dass ich
einen guten Job hier mache, deshalb ich am nächsten Tag auch die
Tagestour nach Santa Fe führen. Vom Getränkeboy zum Tourguide - Amerika,
Land der unbegrenzten Möglichkeiten - wie wahr! Die klare, kühle Luft
glitzert förmlich in der Sonne, als wir Albuquerque am Morgen verlassen.
Wenig später biegen wir in die Sandia Crest Road ein. Dann geht es nur noch
bergauf. Schneereste säumen die Strasse und die Aussicht wird nach jeder
Kurve noch besser. Oben auf dem Sandia Crest Peak steht man wirklich
über der Welt. Man glaubt im Süden Mexico zu sehen und im Norden Canada.
Einfach genial. Über Santa Fe - mehr was für Künstler - geht es dann
zurück nach Albuquerque. Meine Cousine hatte uns für heute abend ein
Indianer Casino empfohlen. Zur Belohnung hole ich sie mit der Harley ab.
Im Casino gibt es ein super Buffet für $ 9.99 und die Möglichkeit, ein paar Doller
zu verlieren oder ein Custom Bike zu gewinnen. Auf dem Rückweg zum Motel
dann noch ein unvergesslicher Blick auf das nächtliche Albuquerque, das
mit Millionen von Lichtern mit den Sternen um die Wette funkelt. Neuer
Tag, neues Glück. Thomas eröffnet mir, ich kann den Rest der Tour weiter
auf der Harley fahren. Also auf nach Gallup. Nach einer Stunde im Sattel
stellt sich das typische ROUTE66- Gefühl ein: Man fühlt, wie nicht nur
die Strasse sich unter einem bewegt, nein die ganze Welt dreht sich
unter einem, während man selbst stillzustehen scheint. Dazu die
Vibrationen und der satte Sound, der Herz und Bauch erfreut. In der
Hitze des späten Nachmittags Einfahrt nach Gallup. Danach Diner - ja
wirklich Diner - im EL RANCHO. Zurück im
Motel will niemand ins Bett. Es ist immer noch heiss. Also lassen wir
bei ein paar eiskalten Sixpacks den Vatertag ausklingen. Um so kälter
ist es am nächsten Morgen. Noch ein Kaffe und es geht los. Klaus hat den
Wunsch nach einer alten Nummerntafel geäussert und so stoppen wir bald
an einem Autofriedhof. No, no, Senores, er sammle selbst alte Licence
Plates, klärt uns der Inhaber auf. Wir bleiben trotzdem noch ein wenig
zum Aufwärmen, und beim Plaudern springt schnell der Funke über. Nachdem
wir noch seine restaurierten Schätze bewundert haben, bekommen wir
Nummernschilder so viel wir wollen. "Have a safe Trip! Und schaut beim
nächsten Mal unbedingt wieder rein!"
Heute wollen wir die ROUTE zum
ersten Mal verlassen. Die Teilnehmer waren einstimmig dafür, einen
Schlenker über das Monument Valley zu machen. So schlagen wir also einen
grossen Bogen nördlich über die alte US-666, um von Norden her ins
Monument Valley einzufahren. Ein Sandsturm begleitet uns fast den ganzen
Tag und wir kommen auf unseren zwei Rädern richtig in Schräglage daher,
obwohl die Strassen meistens schnurgeradeaus gehen. Dazu wird man an
manchen Stellen noch sandgestrahlt. Am Nachmittag ist der Sturm vorbei,
Postkartenwetter, und das Monument Valley zeigt sich unter einem Himmel, der nicht
nur viel blauer, sondern auch viel höher ist, als der bei uns zu Hause. Sky
High nennen die Navajos deshalb ihr Land. Nach einer Übernachtung im
bierfreien Kayenta (Navajo Reservation) starten wir am nächsten Morgen
zum Grand Canon. Das Wetter ist wieder fantastisch und viele Aussichtspunkte
später laufen wir am späten Nachmittag im ROUTE 66 Motel in Williams
ein. Der nächste Vormittag bringt uns nach Seligman, wo wir nach einem
gediegenen Frühstück zuschauen, wie Angel Degadillo das bärtige
Piratengesicht von Klaus in ein Babyface verwandelt. Winkend verlassen
wir Seligman und machen uns an den Aufstieg zum Sitgreaves Pass. Kurve
folgt auf Kurve und immer wieder müssen wir anhalten um die Aussicht zu
geniessen. Dann geht es Kurve um Kurve hinunter
nach Oatman, dem Dorf mit den Eseln. Hier dreht sich alles um den
Tourismus, klar, denn Gold hat hier schon lange niemand mehr gefunden.
Nach diesem Rummel ist der jetzt folgende Übergang noch krasser: Vor uns liegt die Mojave-Wüste - ein unwirtlicher Ort.
Die Gluthitze sengt von oben und der Boden strahlt sie unerbittlich
zurück. Nach Stunden unterbrechen die
grünen Ufer des Colorado River die Eintönigkeit, doch der Eindruck verfliegt wie eine
Luftspiegelung und die Eintönigkeit geht weiter. Wir
sind schon auf dem Weg nach Amboy. Die trockene Hitze bläst uns an wie
ein Föhn. Dietmar signalisiert mir, dass er auf Reserve schalten muss.
Kein Problem, denn Roys Cafe ist nur noch weinige Meilen entfernt.
Überraschung, als wir die Tankstelle daneben verlassen vorfinden. Auch
von Roy keine Spur. Amboy ist menschenleer, wir sind allein auf der
Welt. Auf einem Schrottplatz hinter der Tankstelle finden wir ein kurzes
Stück Schlauch und eine Plastikflasche. Aus zwei Bigtwins pumpen wir ein
paar Liter in die Sporty. Wird das reichen? Bis zum Interstate sind es
noch 60 Meilen und auch die Tanks der anderen Harleys sind fast
leergefahren. Mit angelegten Armen und im Windschatten des Dodge
erreichen wir aber alle die nächste Zapfstelle an der Auffahrt zum
Interstate. Mittlerweile haben wir auch alle die Helme auf, denn wir
sind in California angekommen. Da wird es uns erst klar, welche Gnade
es bedeutete, durch alle anderen Staaten ohne Helm fahren zu können. Den
Abend geniessen wir erst am Pool, später bei Sizzlers am Seafood Buffet.
Der nächste und leider auch letzte Tag auf dem Motorrad bricht an. Noch
ein grosses zusammenhängendes Stück der ROUTE bis San Bernadino, dann
geht es auf den Interstate Highway. und gegen elf fahren wir durch die
ersten Vororte von LA. Unglaublich, welche Ausdehnung diese Stadt hat.
Bei Glendale fädeln wir uns dann auf den Santa Monica Boulevard ein, der
uns die letzten Meilen zum Pacific bringt. Als wir das Ende der ROUTE
66 erreichen und auf den Parkplatz an der Pier einbiegen ist der
Himmel bedeckt und auch unsere Stimmung. Wir steigen ab, wir gehen über den
Strand, wir gehen weiter. Immer noch treibt uns irgend etwas an und das
kalte Wasser stoppt uns erst, als wir bis zu den Knien drin stehen.
Jetzt ist jeder allein mit sich und seinen Gedanken. Über 2900 Meilen,
also um die 4800 Kilometer liegen hinter uns. Zu 85 % der Strecke auf
der alten und oft nicht ausgeschilderten ROUTE 66. Wir waren ein Team
geworden, fast Freunde. Und jetzt wird uns klar, dass diese Reise - wie
alles eben - auch ein Ende hat. Vorläufig: We'll be back. |
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